Wappengeschichte
zum 30. Jahrestag des Zusammenschlusses der Gemeinden Ober- und Unterkirchberg, am 01. April 1972

Wappenbeschreibung
der Gemeinde Illerkirchberg
Literatur:  Teile der Bilder aus der Chronik von Michael Braig "Wiblingen" 1834
Neuauflage: Bd. 29 (Alb-Donau-Kreis) 2001

Entstehung der Wappen

Das Wappen entstand in der Zeit der ritterlichen Kultur im hohen Mittelalter. Die Form lässt noch seine Herkunft erkennen, aus einem "wâpen", der Abwehrwaffe, dem Schild, mit dem sich der Ritter gegen Stoß und Schlag oder einem Pfeil schützte. Schon lange vor dem Aufkommen der Wappen als markantes Erkennungszeichen, waren diese Schilde bemalt.
Mehr und mehr jedoch wurde aus dieser Bemalung das Kennzeichen einer Persönlichkeit, einem charakteristischen Ausdruck eines Familiengeschlechts, der es stolz auf die nachfolgenden Kinder vererben ließ.
Bis ins 12. Jahrhundert hinein trugen die Streiter bei kriegerischen Schlachten einen offenen Held, der den Gegner von Angesicht zu Angesicht zeigte.
Es kam ein neuer Helm auf, der den Vorzug bot, das Gesicht besser zu schützen.
Die Notwendigkeit des Erkennens aber führte dazu, dass das Zeichen auf dem Schilde individueller und markanter werden musste.
Das gleiche Zeichen befand sich nun auch am Helm, das den Kämpfer weithin im Kampfesgetümmel kenntlich machte.

Das Wappen des Schildes und der Helmzier wurde zu dem Kleinod, das über Generationen hinweg, bis in die heutige Zeit hinein  gepflegt und ehrenhaft verteidigt wird.

Das erste erhaltene Wappen der Grafen von Kirchberg stellt eine symbolische Helmzier mit (Abwehr) Schild dar.

Auf diesem Schild ist eine Figur dargestellt, die mit beiden Händen eine Lilie hält. 
Dies ist bereits die signifikant heutige zentrale Figur im Wappen der Gemeinde Illerkirchberg, mit einem Symbol, das in frühchristlicher Zeit die Jungfräulichkeit, Reinheit und Unschuld verkörperte, und vor allem der Jungfrau Maria in Darstellungen zur  Verkündigung ihrer jungfräulichen Geburt, vorbehalten blieb.
Diese Marienverehrung rückt bereits die Gesinnung der Grafen von Kirchberg ins Blickfeld, die als Familie, seit der Klostergründung immer wieder  mit religiösem Eifer, und vermutlich tiefer Gläubigkeit, der katholischen Kirche verbunden war.

Baden - Württemberg
Urkunde

Das Innenministerium Baden-Württemberg verleiht der Gemeinde Illerkirchberg, Landkreis Alb-Donau-Kreis, nach § 6Abs.1 der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg vom 25.Juli 1955 (Ges.Bl S. 129 das Recht eine Flagge in den Farben "Rot-Gelb (Rot-Gold)"
und ein wie folgt beschriebenes Wappen zu führen:
"In gespaltenen Schild vorne in Gold (Gelb) eine aus einem grünen Dreiberg wachsende, nach links gewendete, rot gekleidete und rot gekrönte Mohrin, in der Linken eine rote Mitra haltend, hinten in Schwarz ein doppelarmiges goldenes (gelbes) Kreuz (Patriarchenhochkreuz)

Stuttgart, den 11.Juli 1973

das heutige Wappen der Gemeinde
Illerkirchberg
(Alb - Donau - Kreis)

Entwurf dieses Wappens im Auftrag der Gemeindeverwaltung Illerkirchberg
von der Stuttgarter Gebrauchsgraphikerin Irmgard Klauss.

Wappendeutung:

Als die Gemeinde Illerkirchberg am 01. April 1972 aus den beiden bis dahin selbständigen Gemeinden Ober- und Unterkirchberg entstanden war, beantragte die neue Gemeinde im April 1973, auf Wunsch des Gemeinderats, beim Landratsamt Alb - Donau - Kreis ein neues Wappen.

Es lag nahe, dass für dieses neue Wappen die beiden ehemaligen einander sich ähnelnden Wappen der Gemeinden Ober- und Unterkirchberg als ehrbares Vorbild diente, das so wertvoll war, den neuen Gemeindeverbund zu repräsentieren.
Beide Wappen hatten als zentrales Element ihres Schildes eine reichgewandete gekrönte Mohrin abgebildet, die in ihrer rechten Hand eine Mitra hielt. 
Diese Jungfrau entstammt dem Schilde der Grafen von Kirchberg. 
Die grüne symbolhafte Darstellung eines Dreibergs, die Basis der "Mohrin", verweist auf einen augenfälligen Berg in Unterkirchberg, auf dem vermutlich bereits in vorfränkischer Zeit eine zentral gelegene katholische Kirche stand, die dieser Gegend, in der die "Kirchberger" Grafen siedelten, einen orientierungssicheren Namen gab.
Vermutlich ist die schwarze Frau ursprünglich weiß gewesen.
Sie lässt sich, in Verbindung mit der Lilie als Symbol Mariens,  der jungfräulichen Himmelskönigin, als die Kirche deuten, die nach alter Überlieferung einst Maria geweiht gewesen war. 
Diese Kirche stand anstelle der heutigen Martinskirche, oder zumindest in ihrer unmittelbaren Nähe auf dem heutigen Kreuzberg.
Möglicherweise hatten bereits die  Grafen von Kirchberg in ihrem Wappen, als Zeichen der Marienverehrung, diese weibliche Figur weit vor einem Einfluss von im Kloster lebenden Mönchen, zum Leitmotiv erhoben. 
 
Im Laufe der mehr als tausendjährigen Geschichte dieses Wappens,  abhängig von den Heilsvorstellungen und jeweiligen Geisteshaltungen der Menschen ihrer Zeit, die unter - und in Obhut dieses Wappens lebten und gestalteten, hat sich diese markante Figur des Gemeindewappens von Illerkirchberg, sukzessive bis zur heute reichgewandeten "schwarzen" Jungfrau gewandelt.

So wird noch im Jahre 1808 in einer Unterkirchberger Wappenüberlieferung, diese Jungfrau mehr als "kirchliche Magd" gesehen, 
  
während im auffälligem Gegensatz hierzu die  Oberkirchberger Jungfrau noch im Jahre 1555, als geradezu sündhaft, mit wehendem, nicht unbedingt dem Zeitgeist entsprechend sittsam gebundenen oder geflochtenem Haar,  als eine "Luxuria" dargestellt gewesen ist.  
Mit welchem Motiv, und in welcher Abfolge auch hier Änderungen bis zur heutigen Jungfrauendarstellung vorgenommen worden sind, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen.
  
Es war vermutlich das einstige Strafmaß eines rechtsprechenden Staufenkaisers  Rudolf, der im Jahr 1273 die ehrbare Jungfrau im Wappen der "Edlen von Kirchberg", als ein in die Zukunft drohendes "Schandzeichen" schwärzen, und das blonde, weithin leuchtende Haar, unordentlich zerzausen und "verludern" lies. Vielleicht wurde dabei aus einem "hellen",  farbenfrohen Gewand, ein abstoßendes Schwarzes -, oder in der Symbolik einer bußfertigen Läuterung, rotes Gewand.
Bis zur heutigen ästhetisch wohlgefälligen Frauengestalt (vielleicht auch in der Deutungsmöglichkeit des "Hohen Lieds der Liebe", mit Salomons schwarzer, lieblicher "Königin von Saba), hat mancher Zeitgeist (oder auch die Unwissenheit über das im Mittelalter allgemein ausgeprägte Symbolbewusstsein) seine Spuren hinterlassen.

Mohren in Sagen: In der deutschen Sage erscheint der Teufel auch als Mohr
Tod als Person: vereinzelt als "schwarzer" Engel
als "Tödin"
als Todesengel
[...] Mohren können als "Fremdlinge", die aus dem Seelenland kommen, für Seelengestalten angesehen werden.
Symbolische Verwendung von Farben,
als universales Phänomen in der Heraldik für Versinnbildlichung bestimmter Eigenschaften oder Gefühlsanregungen:
Rot:
assoziiert mit Blut, Wunden, Todesqualen, Läuterung, Feuer und Königtum
Grün:
pflanzliches Leben, Wiedergeburt, Hoffnung
Gelb:
Sonnenlicht, geistige Erleuchtung, Verständnis
Blau:
Wahrheit, Keuschheit, makelloser Ruf, Frömmigkeit; Frieden...
Gold:
Sonne, Aufklärung
Silber:
Mondlicht
Schwarz:
fruchtbare Erde, Tod, Trauer
Haar: für die Symbolik des Mittelalters ist "langes, offenes" Haar grundsätzlich bedenklich!
Es wird in dieser Weise von "Luxuria", der Verkörperung der Wollust, des Stolzes (eine der sieben Todsünden) getragen.
Gegensatz:
die Tonsur oder kurze Haare, als Zeichen der Buße für Menschen die das geistliche Leben erwählten.
Die Mitra:
Name aus dem griechischen
bedeutet dort: Kopfband oder Turban

 

hohe Mütze, deren abgeflachte Vorder- und Rückseite nach oben spitz zulaufen. Zwei Bänder (Infuln) hängen von der Rückseite auf die Schultern herab;
wird von Päpsten, Bischöfen und Äbten als Zeichen ihres Amtes getragen.
Die Mitra war die offizielle Kopfbedeckung des Hohenpriesters im alten Judentum. Um das 11. Jahrhundert war die Mitra die bevorzugte liturgische Kopfbedeckung der Bischöfe.
Lilie
in der Kunst bedeuten die Lilie auf der einen Seite das Schwert und auf der anderen Unschuld und Schuld.
Reinheit; Frieden; Auferstehung; Königswürde.
Ein Lilienzweig verkörpert in der christlichen und griechisch / römischen Symbolik: Jungfräulichkeit, Regeneration und Unsterblichkeit.
Die Jungfrau Maria, Ihr frommer Sinn wird durch den geraden Stengel versinnbildlicht. Ihre Demut durch die herabhängenden Blätter, ihre Göttlichkeit durch den Duft und ihre Reinheit durch das Weiß der Lilie.
Sie ist auch ein Symbol für jungfräuliche Heilige, da sie für die Keuschheit steht.

Das Patriarchenhochkreuz entstammt dem Unterkirchberger Wappen, vielmehr dem Wappen des Wiblinger Klosters, oder den persönlichen Wappen bedeutender Äbte dieses Benediktinerklosters (Cluniazenser?), als Zeichen dessen Verbundenheit mit einer seit frühester Zeit, wirtschaftlichen und kirchenrechtlichen Zusammengehörigkeit zur, in räumlicher Nähe liegenden, "spann- und zinspflichtigen" Gemeinde Unterkirchberg.
  
  
Ungebrochen waren die Verbindungen der Orte Unter- und Oberkirchberg zum Kloster, im Gedächtnis zu den Toten der Gründungsfamilie, von den beiden Gründern Hartmann I. und Otto I. (1099), über die Grafen und Gräfinnen von Kirchberg, die mit Wilhelm I. im Jahre 1220 ausgestorben ist.

Ob das Kreuzeszeichen im Unterkirchberger Wappen jemals eine Hommage an die Kreuzreliquie des bis heute in der Klosterkirche verehrten Kreuzpartikels gewesen ist, verliert sich vermutlich für immer im Anspruch der religiösen Empfindungen von gläubigen Menschen.
Dass das heutige Pfarrhaus Wohnsitz der Wiblinger Äbte war, und sehr enge Beziehungen der Unterkirchberger Pfarrei zu den Mönchen des Klosters Wiblingen bestanden haben, gilt als sicher überliefert.
Und dass die Lebensweise der Religiösen des Klosters sich auch geistig - kulturell auf die unmittelbare Klosterumgebung auswirkte , als ein "erweiterter" klösterlicher Segensbereich, kann angenommen werden, so wie im Gegensatz dazu, ein Wohnsitz der Grafen von Kirchberg, und später die der Grafen von Fugger - Kirchberg und Weißenhorn, sich auch prägend auf die Lebensweise der Einwohner von Oberkirchberg ausgewirkt hat. Auch in deren  Wappenmodifizierungen, als Zeitzeugen enger Verbundenheit, hat sich in mannigfacher Gestalt Zuneigung zum herrschaftlichen Wappen geäußert. Dies lässt sich auch ohne Nachweis vermuten
.
Das Kreuz:
eines der am weitesten verbreiteten  und ältesten Symbole in der Darstellung aus der Frühzeit der Menschengeschichte; 
   
Als Symbol der "vier" Himmelsrichtungen
   
als Zeichen für den Scheideweg,
den Ort an dem sich die Wege der Toden und der Lebenden "kreuzen".

Reliquien:
in der Basilika (Rom) "S. Croce in Gerusaleme" (Heiliges Kreuz in Jerusalem) als die kostbasten Besitztümer der römisch-katholischen Kirche:
drei Bruchstücke des heiligen Kreuzes, zwei Dornen der Dornenkrone Christi, einem Kreuznagel, ein Stück der Inschriftentafel (INRI).

Das Lothringer Kreuz
wenn heute die allgemeinen Veröffentlichungen das Patriarchenkreuz und das Lothringerkreuz gleichsetzen, wird  in alten Lexikas das Lothringer Kreuz mit zwei gleich langen Querbalken beschreiben.
Anm.: Alte Zeichnungen zeigen auch auf diese signifikante Unterscheidung zum Patriarchenkreuz hin.

Unbeantwortet bleibt...
die Bedeutung des Hinweises auf die in Illerkirchberg gängige Bezeichnung "Lothringer Kreuz" im örtlichen Wappen bzw. im Wappen des Klosters Wiblingen.
Hierbei könnte auch ein Zusammenhang mit einer weiter gehenden Klosterreform des Klosters Gorze (Lothringen) gegenüber der  Klosterreform in Cluny (Burgund),  zum Kloster Wiblingen bestehen...

"Abgegangene" Monumentalkirche des Klosters Cluny, deren substantielle Klosterreform, auch die Wiblinger Mönche 
(via Hirsau und St. Blasien) beeinflusst hatte

Um das Jahr 1625 wurde das "doppelarmige" Kreuz von der Bruderschaft der "Rosenkreuzer", oder anderen Marianischen Bruderschaften verwendet.
Papst Urban VIII anerkannte das Doppelbalkenkreuz als besonderes Segenszeichen.
Oft fand das Doppelkreuz als besondere Verzierung Verwendung für ein Reliquiar (z.B. Aufbewahrungsort für das Kreuzpartikel).

Doppelkreuz
 (crux gemina - Zwillingskreuz)

(bzw. Kardinals- und Patriarchenkreuz oder Lothringerkreuz)
weitere gebräuchliche Namen:
Spanischen Kreuz (Caravaca Kreuz); Engelskreuz; Jerusalemer Kreuz; Ungarkreuz; Wiener Kreuz
   
Als unter Kaiser Konstantin sich das Christentum zur Staatsreligion entwickeln konnte, wurde zur besseren Organisation der vielen der über das römische Herrschaftsgebiet zerstreuten Bischofsitze übergeordnete, zentraler gelegene Patriarchendiözesen (Rom; Konstantinopel; Alexandrien; Antiochien; Jerusalem) eingerichtet.
Als äußeres Zeichen, erhielt dieser hervorgehobene Bischofsitz ein "doppeltes" Kreuz, das Patriarchenkreuz, das nur noch vom päpstlichen Kreuz, mit drei Querbalken übertroffen wurde.

    

Bereits in frühen Stätten menschlicher Entwicklungsgeschichte, z.B. in Anatolien, wurden in  archäologischen Grabungsschichten der Zeit um 8000 v.Chr., Urformen des Doppelkreuzes gefunden, die sich Religionsentwicklungsgeschichtlich vermutlich der Verehrung einer Muttergottheit (stilisierte Frauengestalt) zuordnen lassen.
  

Das Doppelkreuz galt als Erkennungszeichen der Könige von Ungarn, des Ritterordens "vom heiligen Grab".

Es war auch das Zeichen im Kampf gegen die "Ungläubigen" (Spanien; Wien).

Ende des 15. Jahrhunderts war das Doppelkreuz Bestandteil des Wappens der Herzöge von Lothringen.

Im 17. Jahrhundert diente es Vielerorts als Pestschutzzeichen oder als Wetterschutzkreuz auf den Kirchturmspitzen.

Heilige Helena:
Sie hat als Archäologin, vermtl. im Jahre 326 das Kreuz Christi gefunden.

Große Verehrung in der Ostkirche, zusammen mit ihrem Sohn Konstantin, am 21. Mai.

Darstellung seit dem 12. Jahrhundert mit der Kaiserkrone und Kirchenmodell und / oder Nägeln (Gründungen und Kreuzauffindung)

geb. um 255 in Bithynien
heute Türkei)
getauft: 312
gest.: 18. August 330 in Nikodemien

(heute Izmid / Türkei)

Ihr Sohn:
Römischer Kaiser "Konstantin der Große"

Ein weiteres Motiv wäre ein Kreuzzeichen in der Hand der Figur im Wappen der Grafen von Kirchberg. Dies könnte dann auch als Zeichen der Dankbarkeit der beiden gräflichen Brüder Hartmann und Otto von Kirchberg gedeutet werden, die nach glücklicher Heimkehr von einer Pilgerreise ins heilige Land aus Dankbarkeit, vielleicht in Verbindung einer nachhaltig beindruckenden Audienz mit dem amtierenden Papst im Vatikan, eine Klosterstiftung, als Ort zukünftiger Verehrung der in Rom erworbenen Kreuzreliquie, zum ewigen Seelenheil der Grafen von Kirchberg, im Jahre 1093, in die Tat umsetzten.
  

In diesem Sinne ließe sich auch die Mohrin als Attribut einer "reisefreudigen" Erfahrung deuten.
Dagegen sprechen jedoch, auch im Gegensatz zu meiner bisher vertretenen Auffassung, die Wappendarstellungen mit für sich sprechender Haartracht.

   

Ehemalige Wappen
der Gemeinden Ober- und Unterkirchberg
:
   

Die Landesregierung hat der Gemeinde Oberkirchberg Landkreis Ulm, mit Datum vom 12.Juli 1954, ein wie folgt beschriebenes Wappen verliehen:
"In silbernen (weißem) Schild eine aus grünem Dreiberg wachsende Mohrin mit wehenden goldenen (gelben) Haaren, in schwarzem hermelinbesetzten Gewand , gekrönt mit einer goldenen (gelben) Heidenkrone, die Linke in die Hüfte gestemmt, in einer erhobenen Rechten
eine goldene (gelbe), rot besetzte Bischofsmütze haltend.
Die Mohrin erinnert  an die ehemaligen Ortsherren die Grafen "von Kirchberg" die in ihrem Wappen eine Mohrin führten, die nach dem Übergang der Grafschaft Kirchberg an das Haus Fugger, auch in das Fuggersche Wappen übernommen wurde.

Offizielles Gemeindewappen von Oberkirchberg bis 1972

Bis zum Gemeindezusammenschluss im Jahre 1972, war das von Immanuel Knayer; Mahler und Graphiker in Stuttgart - Ost, entworfene Wappen auf offiziellen Schriftstücken im Gebrauch.
Im Gegensatz zum von der Landesregierung 1954 verliehene (oben abgebildete) Wappen, ist das "wehende" Haar zu einem "sittsamen" Zopf geflochten
.

Offizielles Gemeindewappen von Unterkirchberg bis 1972

"In gespaltenen Schild vorne in Gold (Gelb) eine aus einem grünen Dreiberg wachsende, nach links gewendete, rot gekleidete und rot gekrönte Mohrin, in der Rechten eine rote Mitra haltend, hinten in Schwarz ein doppelarmiges goldenes (gelbes) Kreuz (Patriarchenhochkreuz)

Das einst vom Habsburger Kaiser Maximilian an Jakob Fugger verliehene Pfand der Ländereien der Grafen von Kirchberg, hat im Jahre 1507 der Augsburger Bankier und Magnat käuflich erworben.
Raymond Anton und Hieronymus Fugger haben, nachdem ihnen im Jahre 1535 vom Österreicher König Ferdinand I. die Erlaubnis erteilt wurde, sich Grafen von Kirchberg nennen zu können, das verlassene Wappen der im Jahre 1510 ausgestorbenen Grafen von Kirchberg ins Wappen der Grafen von Fugger eingebunden.

Im rechten oberen silbernen Feld erscheint eine schwarze, goldgekrönte Jungfrau mit fliegenden Haaren und schwarzem Gewand, in der rechten Hand eine rote, von Silber eingefasste Bischofsmütze haltend.
  
In einem weiteren Wappen ("Geschichte des Allgäus" Bd. 1; Seite 496) ist unter dem Wappen Nr. 14, das Wappen der "Edlen von Kirchberg abgebildet:
"Die dort abgebildete Mohrin trägt, auf goldenem Schild, einen geflochtenen Zopf, ein rotes Kleid und einen darüber angelegten blauem Mantel. In beiden Händen hält sie eine rote Lilie.
Lit.: Chronik von Matthias Marks Unterkirchberg (1968)

Dieses Motiv ist in abgewandelter Form in einem neueren Wappen der heutigen Grafen von Fugger - Kirchberg und Weißenhorn wieder enthalten, als schwarz gekleidete Mohrin, in der rechten Hand eine rote Mitra haltend.
(Ort: gräfliche Zentralverwaltung in Oberkirchberg)
.

Eine im Volksmund weit verbreitete Deutung der Mohrin:
(aus der Geschichte der Abtei Wiblingen v. Michael Braig (1834) Pfarrer in Illerrieden 
- ergänzt und überarbeitet)

  
In Zeiten großer Unruhen der Jahre um 1245, als Papst Innozenz IV., ein kalter Machtstratege, den Staufenk
aiser Friedrich II mit dem Kirchenbann belegte, und ihn später im Konzil von Lyon als Kaiser absetzen ließ; in Zeiten großer politischer Wirren und kaiserlicher Opposition, als es den deutschen Herzögen, Fürsten, Grafen erlaubt gewesen war, in Schwaben, dem alten Stauferland, ihren Gelüsten zur Eroberung neuer Territorien freien Lauf zu lassen, und sich diese dann mit dem Recht des Stärkeren, mit Billigung der römischen Kurie, durch zusetzen versuchten; in einer Zeit, in der die Herrschaft von Königen und Gegenkönigen alle politische und christliche Ordnung auflöste, in der, wie ein Chronist die damalige Weltlage beschrieb "alle Gerechtigkeit zu Grabe getragen worden sei...", geschah es, dass in der Familie der Grafen zu Kirchberg, zwischen Graf Conrad I. und seinem Sohn Wilhelm III. ein Streit ausbrach, der mit dem Tod des Vaters endete.
Wilhelm III. war Angesichts seiner riesenhaften Größe, seines wilden, furiosen und kriegerischen Auftretens, der "Starke" genannt worden.
Er hatte bereits zuvor insgesamt 12 Männer erschlagen, als er im Jahre 1250 im Schloss zu Oberkirchberg seinen Vater erwürgte.
Dieser Vatermord blieb zunächst ungestraft.
Wilhelm III. trat das Erbe seines Vaters in der Grafschaft Kirchberg an.
  
Erst als im Jahre 1273 der Habsburger Graf Rudolf zum deutschen Kaiser gewählt worden war, verschaffte sich dieser, zur Festigung seines Machtanspruchs, bei seiner Opposition, mit "eiserner" Hand im Lande wieder Ruhe, Recht und Ordnung. Graf Wilhelm III. wurde 23 Jahre nach seiner Tat, für den Vatermord zur Rechenschaft gezogen.
Im wurde als Strafe die Herrschaft über Kirchberg entzogen, und er soll zu Augsburg enthauptet worden sein.
Andere Überlieferungen behaupten, er wäre von dieser Todesstrafe begnadigt worden und hätte als Büßer (einen eisernen Panzer auf dem bloßen Leib und nackten Füßen) in Rom um die Lossprechung seiner Sünden nachsuchen müssen.
  
Was es auch gewesen sein mag, Wilhelm III. und sein Sohn Eberhard,
der in Illerzell eine Wohnung genommen hatte, sollten auf Befehl des Kaisers,
als rohe fehdesüchtigen Ritter ihre Grafschaft Kirchberg verlieren, und alle ihre Abkömmlinge, als stete Erinnerung an dieses Gräuel, ein "Brandmahl" in ihrem Wappenschilde führen müssen. 
Dabei soll er verfügt haben, dass die Insignien der alten Grafen von Kirchberg, der im roten Talar und glänzender Krone bekleideten Jungfrau, von nun an als Mohrin, schwarz gekleidet, mit zerzausten (zerstreuten) Haaren, und schwarzer Krone und (schwarzem) Hut zu führen sei.
Die Herrschaft Kirchberg ging an Conrad II., einem Bruder des Vatermörders.
Nur mit allerhöchster Nachsicht und Gnade des Kaisers, blieb Wilhelm III. die Grafschaft Wullenstetten erhalten.
Kaiser Rudolf nutzte die Gelegenheit dieser Strafaktion, und "räumte" auch unter den anderen Raubrittern auf, indem er ihre Raubschlösser "gänzlich" zerstören, d.h. bis auf die Grundmauern "schleifen" ließ.

Den ehemaligen "schwarzen" Hut, oder eine alttestamentarische Kopfbedeckung (s. Lit.: v. Braig) eines Hohenpriesters oder Kirchenfürsten, den die "geschwärzte" Jungfrau in ihrer Hand hielt, wurde durch Eberhard von Kirchberg veranlasst (als er im Jahre 1407 Bischof zu Augsburg geworden war), in eine bischöfliche Mitra umgewandelt.

 In der Unterkirchberger Kirche ist bei der Kirchenrenovierung im Jahre 1983 das ehemalige Wappen des in Oberweiler geborenen Abtes des Klosters Wiblingen, Georg Hacker von einer Deckschicht befreit und wieder originalgetreu restauriert worden.
  
Georg Hacker hat, nachdem er  vor seiner Wahl zum Abt des Klosters Wiblingen langjähriger Pfarrverweser in der Filialkirche zu Unterkirchberg war, die Unterkirchberger Kirche im Jahre 1517 von Grund auf neu erbaut, nachdem diese Kirche zuvor im Jahre 1552, während des "30 - jährigen Krieges" durch marodierende Söldner schändlich verwüstet worden war. Später, im Jahr 1731,  hat Pater Antonius Weickmann in einer neueren Kirchen - Innenraumgestaltung das Wappen geändert, ohne die Gestalt der "geschwärzten Jungfrau" zu ändern.
Abt Hacker hatte in Wappendarstellung der Unterkirchberger Kirche, die in seiner Heimatgemeinde Oberweiler bekannte Oberkirchberger, schwarzgewandete, goldgekrönte Jungfrau mit zerzaustem Haar übernommen.
Das Wappen prägend, ist die dort "unkenntlich" machende Schwärzung des Gesichts, das nochmals auf das "Strafgericht" im 13. Jahrhundert hinweist.
  

Gerhard Rimmele